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Herzdame, Bluff und Schuldenprävention

Das Pilotprojekt «Casino Night» der Schuldenberatung Aargau-Solothurn macht Prävention in einem überraschenden und wirkungsvollen Rahmen.

Ein Freitagabend im Herbst. Volles Haus im Jugendtreff Entfelden. Augenfällig: Ein Grossteil der Teenager ist verblüffend chic gekleidet. Das Geheimnis hinter dem eleganten Look der Jungs und Mädels lüftet sich im hinteren Teil des Treffs. Unter Gekicher und Gekreische prämiert Christoph von der Jugendarbeit Aarau die Outfits der Anwesenden mit «Jara-Dollars»: 25 Dollars für alle, die in Alltagsklamotten aufgekreuzt sind. 30 Dollars für alle, die sich offensichtlich Mühe gegeben haben beim Aufhübschen. Der Abend, ein Gemeinschaftsanlass der Jugendarbeitsstellen der Region Aarau, steht unter dem Motto «Casino Night» und ist gekonnt in Szene gesetzt vom zwölfköpfigen Organisationskomitee. Ob Poker, Black Jack, Roulette, Kleiderbügel-, Würfel- oder Smarties-Spiel, Glücksrad und Bar; der Rubel beziehungsweise der eigens für diesen Anlass gepresste «Jara-Dollar» rollt. Um Philipe von der Offenen Jugendarbeit im Unteren Niederamt (Ojun) versammeln sich die Poker-Faces. Flamar hat sogar den Schnauf, mitten im Spiel ans Handy zu gehen: «Was wotsch? Wer bisch? Hä?» In Flurims Ecke mit dem Würfelspiel «Bluff» herrscht den ganzen Abend lang Frauenüberhang. Dafür krempeln bei Heinz von der Jugendarbeit Entfelden vornehmlich die männlichen Gäste die Hemdsärmel hoch und versuchen, ihren Kontostand durch Black Jack aufzupolieren. Mit einem Strahlen im Gesicht schaut Jessica von der Jugendarbeit Aarau in die Runde, wenn ihr Glücksrad einen Moment lang still steht. Dann hat sie auch Zeit, um zusammen mit Elena Möri von der Schuldenberatung Aargau-Solothurn zu erzählen, wie es überhaupt zu dieser «Casino Night» gekommen ist.

 

Spiel, Spass, Prävention

Ausgangspunkt war die Idee von Elena Möri, Sozialarbeiterin FH und Verantwortliche Prävention bei der Schuldenberatung Aargau-Solothurn, zusammen mit Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeitern eine Pilotveranstaltung zur Sensibilisierung im Umgang mit Geld auf die Beine zu stellen. Elena Möri: «Die Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter sind Brückenbauerinnen und Brückenbauer für unser Anliegen, denn sie haben mehr Nähe zu den Jugendlichen als wir Fachpersonen von der Schuldenberatungsstelle.» Elena Möri traf mit ihrer Anfrage an die Jugendarbeit der Region Aarau ins Schwarze. Denn «gemeinsame Angebote in der Ferienzeit haben unter uns Jugendarbeitsstellen Tradition», so Jessica Zybach. Also wurde statt einem Grillabend die «Casino Night» entwickelt. Neben Spiel und Spass konnte sich auch Präventionsfachfrau Elena Möri mit ihren Anliegen einbringen, hielt Informationsmaterial bereit und gab den interessierten Jugendlichen individuell Auskunft.

 

Gekonnt gewonnen

Wie angekündigt, wurde der Spielbetrieb im Entfelder Jugendtreff um Punkt 20.45 Uhr eingestellt. Denn ging es darum, den Kontostand zu überprüfen. Während in allen Ecken und Enden des Raums genauso gerechnet wie bestochen wurde, feierte Joaquim seine Last minute-Glückssträhne. Der smarte Jüngling im übergrossen Hemd vom Cousin, mit Krawatte vom Papa und cooler Sonnenbrille im Haar konnte seinen Besitz in den letzten Spielminuten beim Roulette von 27 auf 80 Jara-Dollars vermehren. Dennoch wurde schliesslich Mädchenschwarm Shekeb zum Gewinner des Hauptpreises – der grad angesagtesten Boombox – erkoren. Sagenhafte 150 Jara-Dollars hatte er durch geschicktes Glücksspiel an diesem Abend verdient. Elena Möri rückblickend: «Jugendliche können nur im realen Umgang die Erfahrung machen, wie es ist, Geld zu verlieren beziehungsweise zu gewinnen.» Die Präventionsfachfrau ergänzt: «Jugendliche haben in der Regel Angst, nicht zu gewinnen. Im echten Leben geht dies bis hin zu einer Existenzangst, wenn zu wenig Geld da ist, um gewisse Ziele zu erreichen. Darum bin ich froh, konnten wir im Rahmen der Casino Night auf ungezwungene Weise zeigen, dass es sich lohnt, umsichtig mit Geld umzugehen.»

Text und Fotos: Carmen Frei

 

 


Aufgeschaltet am 29. Januar 2018
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